Von der Pressemitteilung zur sauberen Meldung
Eine Pressemitteilung ist ein Rohstoff, keine Meldung. Wie aus Absenderinteresse eine redaktionell saubere Nachricht wird, die Leserinnen und Leser ernst nehmen.

Pressemitteilungen sind nützlich – aber sie sind keine Nachrichten. Sie verfolgen das Interesse eines Absenders, sind im Konjunktiv der Selbstdarstellung geschrieben und enthalten oft mehr Adjektive als Fakten. Eine saubere Meldung daraus zu machen, ist redaktionelle Arbeit. Sie entscheidet darüber, ob ein Text glaubwürdig wirkt oder wie verkappte Werbung.
Den Kern freilegen
Der erste Schritt ist immer derselbe: Was ist die eigentliche Neuigkeit? Hinter wohlklingenden Formulierungen steckt oft eine einzige relevante Tatsache – oder manchmal gar keine. Wir trennen die Nachricht vom Beiwerk und prüfen, ob der Anlass überhaupt eine Meldung trägt. Diese ehrliche Prüfung schützt vor Texten, die viel behaupten und wenig sagen.

Behauptungen einordnen statt übernehmen
Eine Pressemitteilung behauptet, eine Meldung ordnet ein. Superlative werden zu überprüfbaren Aussagen, Selbstlob wird zur belegten Information oder gestrichen. Wo eine Zahl genannt wird, fragen wir nach der Quelle. Wo eine Wirkung versprochen wird, suchen wir nach Belegen. Was sich nicht belegen lässt, wird als Position des Absenders kenntlich gemacht – nicht als Tatsache verkauft.
- Die eigentliche Neuigkeit vom Beiwerk trennen
- Superlative durch überprüfbare Aussagen ersetzen
- Zahlen und Behauptungen mit Quellen hinterlegen
- Absenderinteresse transparent kennzeichnen
“Wer eine Mitteilung ungeprüft übernimmt, publiziert die Pressestelle des Absenders.”
— Aus einem Redaktions-Workshop
Tonalität und Haltung
Zum Schluss kommt die sprachliche Arbeit. Eine saubere Meldung ist knapp, klar und im Indikativ der Nachricht geschrieben. Sie verzichtet auf Werbevokabular und ordnet das Geschehen in einen nachvollziehbaren Zusammenhang. Genau diese Haltung unterscheidet eine Redaktion von einem Verteiler – und sie ist es, die Leserinnen und Leser einer Quelle Vertrauen schenken lässt.
Für unsere Auftraggeber bedeutet das: Sie können Mitteilungen liefern, erhalten aber Meldungen zurück, die redaktionellen Massstäben standhalten. Das schützt ihre Glaubwürdigkeit – und macht ihre Inhalte überhaupt erst publikationsfähig.
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